Paul EhrlichPaul

Paul Ehrlich
1854 - 1915
Mediziner, Immunitätsforscher und Chemotherapeut
* 14. März 1854 in Strehlen (Schlesien)

+ 20. August 1915 in Bad Homburg
Konfession: jüdisch

"Ich kann auch in einer Scheune arbeiten und brauche eigentlich nur Röhrchen, Flamme und Löschblatt". Dieser Satz Paul Ehrlichs ist bezeichnend für sein gesamtes wissenschaftliches Leben, in dem er mit geringsten Mitteln genial und bisweilen originell zu neuen, bahnbrechenden Erkenntnissen auf den verschiedensten Gebieten der Medizin gelangte. Seine Arbeiten waren stets von der Vorstellung geleitet, Beziehungen zwischen den biologischen Vorgängen im Organismus und deren chemischen Abläufen herzustellen und im Fall einer Erkrankung die Chemie dann steuernd also heilend  gegen die erkannten spezifischen Erreger einzusetzen. Ausgehend von der theoretischen Überlegung, die nach Ehrlichs Überzeugung die Grundlage für jede Erkenntnis war, verstand er es als glänzender Experimentator, seine Vorstellungen in die Praxis umzusetzen.

Die konsequente Verfolgung der Synthese aus biologischen und chemischen Gedankengängen machte Paul Ehrlich zum Mitbegründer der Immunitätswissenschaft und zum Schöpfer der Chemotherapie, ein Arbeitsgebiet, dem er die letzten zehn Jahre seines Lebens widmete. Als Krönung dieser Schaffensperiode gelang ihm zwei Jahre nach der Verleihung des Nobelpreises für Medizin 1910 die Herstellung des ersten wirkungsvollen Chemotherapeutikums, des Salvarsans, mit dessen Hilfe sich die Syphilis endlich nachhaltig bekämpfen ließ.
Ebenso untrennbar verbunden wie Immunitätsforschung und Chemotherapie sind mit dem Namen Paul Ehrlich seine farbenanalytischen Studien, mit denen er schon als Gymnasiast im elterlichen Haus mehr oder weniger spielerisch begonnen hatte. Er entwickelte später wichtige Methoden zur Färbung zunächst toter, dann lebender Zellen, so zum Beispiel diejenigen der Blutkörperchen und des Tuberkelbazillus mit Anilinfarben sowie am lebenden Organismus die Sichtbarmachung der Nervenfasern mit Methylenblau. Weitere Studien ergaben, dass sich letzteres auch erfolgreich als Heilmittel bei Nervenkrankheiten und bei Malaria verwenden ließ.
Bei all seinen Arbeiten gab sich Ehrlich niemals Spekulationen hin, sondern stand stets auf dem Boden des exakt Meß-, Erkenn- und Beweisbaren. Die Richtigkeit gewonnener Erkenntnisse wurde durch Ausdehnung der Versuche untermauert, so dass er mit Recht über sich selbst sagen konnte: "Tatsachen haben bei mir immer gestimmt".


Quelle: "Von der Baumwolle zum Geldschein", Deutsche Bundesbank 1995
Bildvorlage: Fotografie an seinem 60.Geburtstag 14.03.1914.


up / raufzum schein